
Privatbrauerei A. Kropf
Von der Bierhalle neben der Martinskirche zur Großbrauerei an der Kölnischen Straße. Und schließlich zur Martini Brauerei, die 2016 in Kassel schloss.
Brauereigelände Kölnische Straße aus der Luft, 1984 · KROPF-ARCHIV-0001 · S. 21
I1859
Die Bayerische Bierhalle.
Für 19 500 „blanke Thaler“ erwarb Adolf Kropf das Haus Mittelgasse 56. Er hatte sich ursprünglich dem Baufach verschrieben. Bald war die Brauerei mit Ausschank eine stadtbekannte Adresse. [Q1 · S. 4]
Das Bier war anders als alles, was man in Kassel bis dahin von 19 handwerklichen Brauereien vorgesetzt bekam: untergärig, von dunkler Farbe, mit hohem Stammwürzgehalt, auf bayerische Art gebraut. [Q1 · S. 4]
Im Haus am Martinsplatz mit Kutscherstube und Sudkammer wurde manches Kapitel Kasseler Bier- und Stammtischgeschichte geschrieben. Als „Bayerische Bierhalle“ wurde es zum Bürgertreff, hier tagte ein Künstler- und Literatenstammtisch. Als Verbindung zur Martinskirche bewahrte man den Hammer der alten Viertelstunden-Glocke auf. [Q1 · S. 4]
Der Nähe zur Martinskirche verdankt die Biermarke ihren Namen: „Martini“. Wie die meisten alten Kasseler Brauereien war die Bierhalle zugleich Gaststätte. [Q9]
Eine stadtbekannte Persönlichkeit war die Wirtin Anna Hohl. Nach dem frühen Tod ihres Mannes führte sie das Haus als Pächterin über vier Jahrzehnte weiter. [Q1 · S. 4]
Die Adresse Mittelgasse 56 nennen die Jubiläumsschrift und eine HNA-Bildunterschrift von 2025. [Q1 · S. 4] [Q9] Dieselbe Schrift spricht auch vom „Haus am Martinsplatz“. Historische Adressbücher sollen klären, ob beides dasselbe Grundstück meint.



II1895
Ein Felsengrundstück für die Zukunft.
„Adolf Kropf war ein Mann von Weitblick.“ An der Bayerischen Bierhalle war eine Ausweitung des Betriebs nicht mehr möglich. 1895 errichtete er das neue Brauereigebäude an der Kölnischen Straße, auf einem Felsenrücken mit tiefen, kühlen Gewölben. [Q1 · S. 4]


III1909
Erweitern, durchhalten, neu beginnen.
Als der Gründer 1909 starb, übernahm sein Sohn Georg die Unternehmensführung. In seine Zeit fielen zahlreiche Erweiterungsbauten. Alte Kasseler erinnerten sich, wie der Kommerzienrat mit seiner Chaise und stattlichem Gespann durch die Stadt fuhr, um Wirte und Kundschaft zu besuchen. [Q1 · S. 4]
Im Ersten Weltkrieg wurde die Familie hart getroffen: Georg Kropf starb. Direktor Hermann Holste wurde zum treuen Sachwalter der Firma. Nach dessen Tod 1929 musste Erich Kropf mit nur 21 Jahren die Geschicke des Betriebs übernehmen. [Q1 · S. 5]
Die dritte Generation gab neue Impulse: neue Absatzgebiete in Nordhessen und Südniedersachsen, dazu der Erwerb der Johanniter-Quelle. [Q1 · S. 5]


IV1942/43
Aus Schutt und Asche.
In den Bombennächten der Jahre 1942 und 1943 fielen das Stammhaus, die „Bayerische Bierhalle“, und große Teile der Brauerei an der Kölnischen Straße in Schutt und Asche. [Q1 · S. 5]

„Das Werk mehrerer Generationen schien vernichtet zu sein.“ Mit großem persönlichen Einsatz gelang Erich Kropf mit seinen Mitarbeitern der Wiederaufbau. Viele Betriebsangehörige waren 25, 40 oder gar 50 Jahre bei „ihrer“ Brauerei beschäftigt. [Q1 · S. 5]
Erich Kropf wirkte als Handelsrichter und in Spitzengremien des Hessischen und Deutschen Brauerbundes. Er starb 1957. Seine Frau Hildegard übernahm die Führung, bis die Söhne Helmut und Erich das Erbe antraten. [Q1 · S. 5]
V1984
Eine Großbrauerei in Familienhand.
1984 ist der Kropfsche Betrieb eine Großbrauerei mit modernsten Produktionsanlagen und einem zweiten Standbein bei alkoholfreien Getränken. [Q1 · S. 5]
Ausstoß in Hektolitern
„Ausstoß-Steigerung von über 330 000 hl in 10 Jahren“ [Q1 · S. 15]
Die HNA schreibt 2025, die Martini-Brauerei habe „jährlich bis zu 250.000 Hektoliter“ gebraut und damit bundesweit zu den größeren Regionalmarken gezählt. [Q9] Die Firmenschrift von 1984 nennt mehr als das Doppelte. [Q1 · S. 15]

Über 100 Lkw und mehr als 100 Fahrer lieferten 1984 Fässer und Kästen aus, in einem Gebiet von Sylt bis Südhessen und von Dortmund bis Würzburg. Zusammen kamen über eine Million Kilometer im Jahr. [Q1 · S. 35]
Zur Getränkegruppe Kropf gehörten die Privatbrauerei A. Kropf, der Wilhelmsthaler Mineralbrunnen in Calden, der Zwestener Löwensprudel und die Kurhessische Getränke Vertriebs KG (Coca-Cola). Über 600 Menschen arbeiteten in der Gruppe. [Q1 · S. 22]
1983 besuchte Bundeskanzler Helmut Kohl die Brauerei, begleitet von den Brüdern Erich und Helmut Kropf. [Q9]
Am 6. März 1985 ging der erste Container „Kropf Edel Pils Premium German Beer“ in die USA, 30.000 Flaschen. Ein nachhaltiger Erfolg wurde der Export nicht. [Q9] [Q3]


VI
Gespanne.
Die großen Gespanne hatten 1984 „nur noch historischen Wert“, etwa beim Hessentag, wenn der Sechserzug der Privatbrauerei Kropf vor der Tribüne galoppierte. [Q1 · S. 35]



VII
Seit 125 Jahren ein Zeichen.
Das Siegel wandelte sich mit dem Geschmack der Zeit mehrfach. Die beiden Türme blieben. [Q1 · S. 8] Ihre neugotischen Turmaufsätze erhielt die Martinskirche gegen Ende des 19. Jahrhunderts; vereinfacht zeigen sie sich bis heute im Siegel. [Q1 · S. 7]





VIII1992–2017
Das Ende in Kassel.
Im 20. Jahrhundert konzentrierte sich das Kasseler Braugewerbe auf zwei Häuser: Kropf (Martini) an der Kölnischen Straße und die Herkules-Brauerei an der Hafenstraße. Herkules ging 1972 an Binding, das den Standort 1999 aufgab. [Q9]
1992
Mit sinkendem Bierabsatz wird der Familienbetrieb an die Henninger-Bräu AG verkauft.
Nach 133 Jahren und vier Generationen endet die Zeit der Familie Kropf an der Spitze der Brauerei.
1997
Im Oktober übernimmt die Einbecker Brauhaus AG die Martini Brauerei GmbH.
2016
Nach der Verlagerung der Produktion nach Einbeck (2014–2015) wird die Brauerei geschlossen, nach über 150 Jahren.
2017
Für das Frühjahr wird der Abriss der letzten Kasseler Brauerei angekündigt.

Weiterführend: Martini Brauerei bei Wikipedia · Sekundärquelle, siehe Q6